keine Bildbeschreibung
Ernst Theis

Ernst Theis zu seinen Ergebnissen

Konzerte zu Neujahr haben ein lange Geschichte in Wien. Es ist in erster Linie die Geschichte eines Programmkonzepts f├╝r Konzerte zu Neujahr, das sich ab 1838 von Programmen ohne Musik der Strauss-Dynastie sukzessive ├╝ber Mischprogramme von Werken der gro├čen Wiener Komponisten und Musik der Strauss-Dynastie zum Programmkonzept Strauss-Dynastie-Konzert zu Neujahr hinentwickelt. Beteiligt ist erst die Strauss-Kapelle selbst, ab 1900 dann auch Orchester wie der Wiener Konzertverein, das Wiener Tonk├╝nstlerorchester, vor allem aber das Wiener Sinfonieorchester (zuvor Wiener Konzertverein, heute Wiener Symphoniker) unter verschiedenen Dirigenten. Von 1928 bis 1932 gibt es schlie├člich f├╝nf Jahre hintereinander unter der Leitung von Johann Strauss (Enkel) ein Strauss-Dynastie-Konzert zu Neujahr als Rundfunk├╝bertragung aus dem Gro├čen Saal des Wiener Musikvereins. Am Ende dieser langen Linie stehen die Wiener Philharmoniker und Clemens Krauss mit den philharmonischen Akademien, als deren Teil jeweils ein Strauss-Dynastie-Konzert am 1. J├Ąnner der Jahre 1941 bis 1945 stattfindet.

Der Zeitraum aller Entwicklungen reicht vor dem Hintergrund des Wirkens der Strauss-Dynastie beginnend mit Johann Strauss' (Vater) Debut 1823 acht Jahre nach dem Wiener Kongress, hinein in die ├ľsterreichisch-ungarische Monarchie, ├╝ber die erste Republik hinweg, durch den Austrofaschismus und das Nazi-Regime hindurch, hinein in die 2. Republik, bis mit Eduard II. 1969 der letzte Berufsmusiker der Strauss-Dynastie verstirbt. Es sind viele politische Systeme, die in dieser langen Epoche auf die Kunst und auch auf die Strauss-Dynastie einwirken, sie auch nutzen und benutzen. Die diversen politischen Verstrickungen sollen und k├Ânnen auch nicht geleugnet werden, weil versierte Wissenschaftler sich damit bereits ausf├╝hrlich besch├Ąftigt haben. Vor dem Hintergrund der von mir gew├Ąhlten musiksoziologischen Orientierung der Betrachtung kann das Neujahrskonzert aber nicht als Idee eines Einzelnen, einer Personengruppe oder der Kulturpolitik gesehen werden. Es steht vielmehr f├╝r das Ergebnis der Wechselwirkung von Musikproduktion, Musikrezeption, beobachtendem Musikmanagertum und k├╝nstlerisch-kommerzieliem Instinkt. Der ehemalige Philharmoniker Walter Barylli hat es in seinem Interview im Dokumentarfilm Prosit Neujahr! 75 Jahre Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker (Gestaltung Robert Neum├╝ller) am 1. J├Ąnner 2016 beeindruckend auf den Punkt gebracht: Die Musik der Strauss-Dynastie ist die Essenz des ├ľsterreichischen, und diese Essenz hat das Wiener Publikum ├╝ber einen langen Zeitraum immer mehr zu Neujahr gefordert, bis sich das Strauss-Dynastie-Konzert als Programmkonzept f├╝r Neujahr zuerst ab 1928 und, mit einer Unterbrechung von einigen Jahren, ab 1941 durchsetzen konnte.

Die Wiener Philharmoniker unterst├╝tzten mich bei meinen Forschungen zur Entstehungsgeschichte des Neujahrskonzerts und pr├Ąsentierten meine Ergebnisse im Rahmen der Pressekonferenz f├╝r das Neujahrskonzert 2016. Ich erhielt dabei jegliche Unterst├╝tzung und uneingeschr├Ąnkte Einsicht auch in Quellen, die im historischen Archiv der Wiener Philharmoniker liegen. Daf├╝r m├Âchte ich meinen pers├Ânlichen Dank zum Ausdruck bringen und das Neujahrskonzert jenen zur├╝ck geben, die es entwickelten - den Komponisten unter den Mitgliedern der Strauss-Dynastie, den anderen beteiligten K├╝nstlerInnen, den verschiedenen Orchestern mit ihren Dirigenten, den Programmgestaltern und Dramaturgen, den Rundfunkleuten und dem Publikum. Dass es heute in H├Ąnden der Wiener Philharmoniker liegt, ist Verdienst von Clemens Krauss, dem wohl authentischsten Strauss-Dynastie-Dirigenten der Geschichte.

Hier finden Sie die von den Wiener Philharmonikern am 27. Dezember 2015 pr├Ąsentierte Publikation:
PDF PDF Herunterladen (203.26 KBytes)

Kurier, 27.12.2015: Sensationelles zur Geschichte der Neujahrskonzerte
Lesen Sie hier den ganzen Artikel:
PDF PDF Herunterladen (4.23 MBytes)